Nur wenige Gebäude haben in ihrer Geschichte so viele Schäden erlitten und überstanden wie der Parthenon, was unter anderem den kontinuierlichen Bemühungen um die Erhaltung und Restaurierung des Denkmals zu verdanken ist.
Im Rahmen des aktuellen Instandhaltungs- und Restaurierungsprogramms war es notwendig, ein altes Gerüst, das seit mindestens 20 Jahren an der Westseite im Einsatz war, durch ein neues zu ersetzen, das für die Fertigstellung der Arbeiten für bis zu 24 Monate eingeplant ist. Die griechischen Gerüstbauexperten von Metron stages setzten dabei neben dem flexiblen Layher AllroundGerüst auch auf den digitalen Layher SIM® Prozess (Scaffolding Information Modeling), der auf Basis digitaler 3D-Modelle die Planung, Logistik und Ausführung des Projekts sicherer, effizienter und wirtschaftlicher macht.
„Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussieht: Im Parthenon gibt es keine rechten Winkel und keine gleichen Abstände. Die antiken Bauherren haben den Tempel visuell so optimiert, dass er von außen betrachtet perfekt aussieht. Dazu wurden jedoch Böden gewölbt, Säulen verjüngt, schräg aufgestellt und in unterschiedlichen Abständen gesetzt“, so Charoula Giaka, technische Ingenieurin von Layher Griechenland.
Konkret hieß das für die Planer und Monteure, dass die Abstände des Gerüsts zum Baukörper nie gleich waren und beim Aufbau ständig auf mögliche Kollisionen geachtet werden musste. „Ein ideales Anwendungsfeld für unseren digitalen Layher SIM® Prozess auf Basis eines 3D-Laserscans des Baukörpers, der im weiteren Prozessverlauf ein millimetergenaues 3D-Aufmaß ermöglicht.“
Wenn Legenden auf Legenden treffen
Um in dem legendären antiken Bau eine sichere Arbeitsumgebung zu schaffen und auch den Anforderungen an die Abstützung während der Installation schwerer Marmorplatten in der zweiten Projektphase gerecht zu werden, nutzt Metron stages über 23 Tonnen Layher AllroundGerüst in der Lightweight-Version. Das geringere Gewicht erleichtert den Transport und die Montage bei maximaler Stabilität. So konnte das komplexe Gerüst am Parthenon von 7 Mitarbeitenden in nur 5 Tagen errichtet werden. „Das Allround-System überzeugt durch die einfache Anpassung selbst an anspruchsvolle Gelände und komplexe Geometrien, die große Auswahl an Bauteilen für maßgeschneiderte Lösungen, einen geringen Materialverbrauch und die effiziente Logistik“, führt Kalli Vrettou, Gerüstplaner bei Metron stages, aus. „Wir nutzen das Material sehr flexibel für alle Arten von Anwendungen, seien es Zugangslösungen, Abstützungen, Veranstaltungsbauten oder, wie hier, sichere Arbeitsgerüste – für uns ist das AllroundGerüst mittlerweile eine echte Legende im Gerüstbau.“
Umfassende digitale Gerüstplanung
Um den dorischen Baukörper mit Plinthen, Säulen, Kapitellen, Architrav und Giebel bestmöglich zu dokumentieren, wurde mithilfe eines 3D-Laserscans eine Punktwolke aufgenommen, die jedes Detail erfasste. Diese konnte bei der Gerüstplanung im LayPLAN CAD als digitaler Zwilling verwendet werden, anhand dessen das eigentliche Gerüst exakt geplant werden konnte. „Auf diese Art und Weise konnten wir schon bei der Planung auf die architektonischen Besonderheiten dieses Tempels eingehen und mögliche Störkonturen oder Schrägen mit einplanen“, so Charoula Giaka, technische Ingenieurin von Layher Griechenland.
„Das spart nicht nur beim Aufbau enorm viel Zeit, sondern stellt auch sicher, dass das richtige Material in ausreichender Menge an der Baustelle verfügbar ist“, ergänzt Fisnik Borak, Projektverantwortlicher bei Metron stages. „Nichts ist ärgerlicher, als mit dem ganzen Team mitten im Aufbau auf ein fehlendes Teil warten zu müssen.“
Immer das passende Material am richtigen Platz
Integraler Bestandteil des LayPLAN CAD Planungstools ist auch der LayPLAN MATERIALMANAGER, mit dem sich auf Knopfdruck detaillierte Materiallisten für das gesamte Projekt erstellen lassen. Diese können zudem individuell bearbeitet werden, um beispielsweise Material für verschiedene Bauabschnitte zu definieren oder die gesamte Logistik an die Bauabläufe anzupassen. Der Denkmalschutz machte sehr klare Vorgaben, die sowohl den Aufbau und die Abstände wie auch den Transport des benötigten Materials betrafen. Jeglicher Kontakt des Gerüstmaterials mit dem Baukörper musste akribisch vermieden werden. Wenn es nicht anders möglich war, kamen daher spezielle Schutzelemente zum Einsatz, um die antiken Säulen nicht zu beschädigen. Aufgrund der begrenzten Lagerfläche in der Anlage mussten die benötigten Gerüstmaterialien in kleinen Chargen, jeweils passend zur Aufbauphase, bereitgestellt werden. Dies war durch den Einsatz des LayPLAN MATERIALMANAGERs sehr einfach und zuverlässig möglich.
Sicherheit und Effizienz in der Ausführung
Aufbauend auf die digitale Gerüst- und Materialplanung nutzt das Team SIM2Field als digitalen Prozessbegleiter bei der eigentlichen Gerüstausführung. Dabei werden die 3D-Gerüstmodelldaten aus LayPLAN CAD effizient auf der Baustelle zur Montage genutzt. Dank SIM2Field werden mögliche Fehlerquellen beim Einmessen und Anlegen der Gerüste auch bei komplexen Geometrien vermieden und der Einsatz von Papierplänen wird reduziert. Mithilfe von vordefinierten Referenzpunkten in der 3D-Planung und auf der Baustelle werden die Fußspindeln exakt platziert. Die zugehörige SIM2Field XR App dient der Arbeitsvorbereitung sowie der Unterstützung bei der Montage und Kontrolle von Gerüstkonstruktionen auf der Baustelle. Darüber hinaus ermöglicht sie den Abgleich der vorbereiteten Materiallisten. Die Nutzung der 3D-Gerüstmodelle reduziert den Bedarf an Papierplänen und optimiert gleichzeitig den Informationsfluss zur Baustelle. Durch dieses ganzheitliche Konzept entsteht ein durchgängiger digitaler Prozess, von der 3D-Gerüstplanung bis zur Fertigstellung des Gerüsts auf der Baustelle.
Die Digitalisierung ist auch im Gerüstbau angekommen
Der Athener Gerüstbauer Metron stages ist in vielfältigen Projekten im Bereich Veranstaltungstechnik und Gerüstbau aktiv. Zu den Projekten zählen Bühnen für zahlreiche Musikfestivals in Griechenland sowie Tribünen, Rampen und Fußgängerbrücken für Musik- und Sportveranstaltungen. Dank gezielter Investitionen in ganzheitlich zertifiziertes Layher Material und umfangreicher Qualifizierungen des eigenen Personals konnte das Unternehmen im Laufe seiner langjährigen Tätigkeit seit den 80er-Jahren zahlreiche Veranstaltungen und Projekte aus den Bereichen Kunst, Sport, Wirtschaft und Privatleben realisieren.
„Die Anforderungen an uns Dienstleister und die immer schneller werdende Weiterentwicklung aller Technologiebereiche stellen uns vor immer neue Herausforderungen. Die Digitalisierung im Gerüstbau ist einer dieser Bereiche, dem wir uns mit dem Layher SIM® erfolgreich gestellt haben. Der Erfolg gibt uns recht“, resümiert Fisnik Borak, Projektverantwortlicher bei Metron stages. „Ich möchte noch etwas Grundsätzliches ergänzen“, so Evangelos Tsioupinakis, Geschäftsführer und Projektverantwortlicher bei Layher Griechenland. „Mit der SIM2Field XR App ist zukünftig nicht mehr ,Montieren nach Plan‘ der Standard im Gerüstbau, sondern ,Montieren nach Modell‘.“